Schwarz zu Blau.

•January 19, 2009 • Leave a Comment

Komm’ aus dem Club, war schön gewesen.
Stinke nach Suff, bin kaputt, is’n schönes Leben.
Steig’ über Schnapsleichen, die auf meinem Weg verwesen.
Ich seh’ die Ratten sich satt fressen im Schatten der Dönerläden.
Stapf’ durch die Kotze am Kotti, Junks sind benebelt,
Atzen rotzen durch die Gegend, benehmen sich daneben,
Szene-Schnösel auf verzweifelter Suche nach der Szene,
gepiercte Mädels, die wollen, dass ich Straßenfeger lese.

Halb sechs, meine Augen brenn’,
Tret’ auf’n Typen, der zwischen toten Tauben pennt.
Hysterische Bräute keifen und haben Panik, denn
an der Ecke gibt es Stress zwischen Tarek und Sam.
Tarek sagt “Halts Maul, oder ich werd dir ins Gesicht schlagen”.
Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen -
die rote Suppe tropft auf den Asphalt.
Mir wird schlecht, ich mach die Jacke zu, denn es ist kalt.

Guten Morgen Berlin,
Du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau,
du kannst so schrecklich sein,
deine Nächte fressen mich auf,
es wird für mich wohl das Beste sein,
ich geh nach Haus und schlaf mich aus
und während ich durch die Straßen lauf,
wird langsam schwarz zu blau.

Müde Gestalten im Neonlicht,
mit tiefen Falten im Gesicht.
Die Frühschicht schweigt, jeder bleibt für sich.
Frust kommt auf, denn der Bus kommt nicht…
und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben.
Jeder hat’n Hund aber keinen zum Reden.
Ich atme ständig durch den Mund, das ist Teil meines Lebens.
Ich fühl mich ungesund, brauch was Reines dagegen.

Ich hab’n dicken Kopf, ich muss’n Saft haben.
Ich hab dringlichen Bock auf Bagdads Backwaren.
Da ist es warm, da geb ich mich meinem Träumen hin
bei Fatima, der süßen Backwarenverkäuferin.
R ‘n’ B-Balladen pumpen aus’m parkenden Benz.
Feierabend für die Straßengangs.
Ein Hooligan liegt einer Frau in den Armen und flennt.
Diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart wie du denkst.

Guten Morgen Berlin,
Du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau,
du kannst so schrecklich sein,
deine Nächte fressen mich auf,
es wird für mich wohl das Beste sein,
ich geh nach Haus und schlaf mich aus
und während ich durch die Straßen lauf,
wird langsam schwarz zu blau.

Ich bin kaputt und reib mir aus meinen Augen deinen Staub,
Du bist nicht schön und das weißt du auch,
dein Panorama versaut,
siehst nicht mal schön vom weitem aus,
doch die Sonne geht gerade auf
und ich weiß, ob ich will oder nicht,
dass ich dich zum atmen brauch.

Peter Fox: Schwarz zu Blau

Der Obama-Check.

•November 6, 2008 • Leave a Comment

Amerika hat gewählt. Was kommt nun? Was bedeutet die Wahl für uns? Fragen über Fragen, die gerade auf allen Kanälen diskutiert werden. Passend zum Thema hat die ARD den “Obama-Check” gesendet – anzuschauen auf tagesschau.de.

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President Obama – Amerika wählt den Wandel.

•November 5, 2008 • Leave a Comment

Barack Obama hat gestern mit 52 % und 349 Wahlmännern (McCain 46 % und 163 Wahlmänner) einen historischen Wahlsieg errungen (Quelle: RealClearPolitics.com). Dem Ansturm zum Trotz stellten sich die Amerikaner stundenlang in die Schlangen vor ihrem Wahllokal, um ihre Stimme abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 66 Prozent – eine Rekordzahl für amerikanische Verhältnisse.

Am 15. Dezember wird das Electoral College Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA wählen. Am 20. Januar 2009 folgt seine offizielle Amtsübernahme und der Einzug ins Weiße Haus. Zumindest zu Beginn seiner Amtszeit weiß der künftige Präsident eine demokratische Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses hinter sich. Hoffen wir auf einen tiefgreifenden Wandel in der amerikanischen Politik.

Hier die Rede des designierten Präsidenten in der Wahlnacht vor mehr als 100.000 Menschen in Chicago:

Yes, you did it! ist der Blogeintrag von Thomas Kausch auf arte.tv – manches kommt mir ein bisschen bekannt vor. ;)

Countdown.

•November 3, 2008 • Leave a Comment

Morgen ist Super Tuesday, also Wahltag in den USA, doch das Early Voting hat bereits begonnen: Ansturm auf vorab geöffnete Wahllokale und stundenlanges Warten, um am Wahlcomputer hoffentlich erfolgreich das Kreuzchen hinter dem richtigen Kandidaten zu machen.

Bis auf die letzte Minute werden die Amerikaner aufgerufen, sich rechtzeitig als Wähler zu registrieren und ihre Stimme abzugeben. Ich bin sehr gespannt, wie die morgige Abstimmung ausgehen wird.

In diesem Sinne, VOTE!

Obama in Berlin.

•July 27, 2008 • 1 Comment

Am Abend des 24. Juli versammelten sich mehr als 200.000 Menschen an der Siegessäule und auf dem 17. Juni, um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu sehen und zu hören. Die Stimmung vor Ort weckte Erinnerungen an Public Viewing-Events und andere Großveranstaltungen an gleicher Stelle, Altersdurchschnitt und Zusammensetzung des Publikums ließen jedenfalls keine politische Rede vermuten.

Zu Beginn seiner Rede thematisiert Obama seine Herkunft, seine ethnische Abstammung und unterstreicht ein erstes Mal seine Selbstwahrnehmung als Weltbürger. Die amerikanischen Wähler verbinden mit Berlin den Kalten Krieg, den Eisernen Vorhang, so dass die anfängliche “Cold War”-Rhetorik leider naheliegend und an das heimische Publikum gerichtet war. Im weiteren Verlauf äußert sich Obama dann für amerikanische Verhältnisse erstaunlich offen zu Themen wie atomare Abrüstung und Klimawandel. Er verweist auf internationale Krisen- und Kriegsgebiete, die er gemeinsam mit den europäischen Partnern zu befrieden sucht. Einige Sätze waren geschickt gewählt, um in zukünftigen Geschichtsbüchern als bedeutende Stellungnahmen eines späteren Präsidenten zitiert zu werden. (Obamas Original-Manuskript)

Ausgerechnet in einem kleinen Dorf im US-Bundesstaat Ohio reagiert John McCain bei einer Bratwurst in “Schmidt’s Sausage House und Restaurant” auf Obamas vielbeachtete Rede:

“Ich würde auch gerne eine Rede in Deutschland halten, aber ich würde das viel lieber als Präsident der Vereinigten Staaten tun als nur als Präsidentschaftskandidat.”

Quelle: Spiegel Online, 25.07.2008

Das wirft die Frage auf, wieviele Menschen hätte es wohl zu einer ähnlichen Rede des republikanischen Kandidaten zur selben Zeit an den gleichen Ort gezogen? Im US-Magazin “The Nation” lässt McCain seinen Sprecher am Samstag den Berlin-Aufenthalt seines demokratischen Konkurrenten mit folgenden Worten kommentieren:

“…failed to recognize the need to visit wounded combat troops, instead choosing to continue on with a schedule that included meeting with international leaders and fawning Germans.”

Quelle: The Nation, 26.07.2008

Zeichnet sich außenpolitisches Verständnis durch Truppenbesuche in Krankenhäusern und auf Flugzeugträgern aus? Wohl kaum. McCains aktuelle Auftritte zeugen jedenfalls nicht von Erfahrung auf dem großen politischen Parkett. Erst aus der amerikanischen Provinz neidvoll gen Europa blicken, wo der politische Gegner Erfolge feiert und später die dortige zuletzt sehr Amerika-kritische Öffentlichkeit als “kriecherische Deutsche” beschimpfen lassen. Der eine oder andere konservative amerikanische Wähler wird es wohl dankend zur Kenntnis genommen haben, denn mit einer großen Portion Patriotismus lassen sich in den USA leider immer wieder Wahlen gewinnen.

Sicherlich hat Barack Obama mit seinem Auftritt in Berlin keinesfalls die Wahl für sich entschieden, mancher Amerikaner mag die Euphorie in Europa skeptisch verfolgen und doch bleibt zu hoffen, dass die Ära Bush in der Mehrheit der amerikanischen Wähler den Wunsch nach einem Wandel geweckt hat. Auch ein Präsident Obama wird die amerikanische Politik nicht revolutionieren, aber vielleicht wäre es ein Anfang…

 
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