Obama in Berlin.
Am Abend des 24. Juli versammelten sich mehr als 200.000 Menschen an der Siegessäule und auf dem 17. Juni, um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu sehen und zu hören. Die Stimmung vor Ort weckte Erinnerungen an Public Viewing-Events und andere Großveranstaltungen an gleicher Stelle, Altersdurchschnitt und Zusammensetzung des Publikums ließen jedenfalls keine politische Rede vermuten.

Zu Beginn seiner Rede thematisiert Obama seine Herkunft, seine ethnische Abstammung und unterstreicht ein erstes Mal seine Selbstwahrnehmung als Weltbürger. Die amerikanischen Wähler verbinden mit Berlin den Kalten Krieg, den Eisernen Vorhang, so dass die anfängliche “Cold War”-Rhetorik leider naheliegend und an das heimische Publikum gerichtet war. Im weiteren Verlauf äußert sich Obama dann für amerikanische Verhältnisse erstaunlich offen zu Themen wie atomare Abrüstung und Klimawandel. Er verweist auf internationale Krisen- und Kriegsgebiete, die er gemeinsam mit den europäischen Partnern zu befrieden sucht. Einige Sätze waren geschickt gewählt, um in zukünftigen Geschichtsbüchern als bedeutende Stellungnahmen eines späteren Präsidenten zitiert zu werden. (Obamas Original-Manuskript)
Ausgerechnet in einem kleinen Dorf im US-Bundesstaat Ohio reagiert John McCain bei einer Bratwurst in “Schmidt’s Sausage House und Restaurant” auf Obamas vielbeachtete Rede:
“Ich würde auch gerne eine Rede in Deutschland halten, aber ich würde das viel lieber als Präsident der Vereinigten Staaten tun als nur als Präsidentschaftskandidat.”
Quelle: Spiegel Online, 25.07.2008
Das wirft die Frage auf, wieviele Menschen hätte es wohl zu einer ähnlichen Rede des republikanischen Kandidaten zur selben Zeit an den gleichen Ort gezogen? Im US-Magazin “The Nation” lässt McCain seinen Sprecher am Samstag den Berlin-Aufenthalt seines demokratischen Konkurrenten mit folgenden Worten kommentieren:
“…failed to recognize the need to visit wounded combat troops, instead choosing to continue on with a schedule that included meeting with international leaders and fawning Germans.”
Quelle: The Nation, 26.07.2008
Zeichnet sich außenpolitisches Verständnis durch Truppenbesuche in Krankenhäusern und auf Flugzeugträgern aus? Wohl kaum. McCains aktuelle Auftritte zeugen jedenfalls nicht von Erfahrung auf dem großen politischen Parkett. Erst aus der amerikanischen Provinz neidvoll gen Europa blicken, wo der politische Gegner Erfolge feiert und später die dortige zuletzt sehr Amerika-kritische Öffentlichkeit als “kriecherische Deutsche” beschimpfen lassen. Der eine oder andere konservative amerikanische Wähler wird es wohl dankend zur Kenntnis genommen haben, denn mit einer großen Portion Patriotismus lassen sich in den USA leider immer wieder Wahlen gewinnen.
Sicherlich hat Barack Obama mit seinem Auftritt in Berlin keinesfalls die Wahl für sich entschieden, mancher Amerikaner mag die Euphorie in Europa skeptisch verfolgen und doch bleibt zu hoffen, dass die Ära Bush in der Mehrheit der amerikanischen Wähler den Wunsch nach einem Wandel geweckt hat. Auch ein Präsident Obama wird die amerikanische Politik nicht revolutionieren, aber vielleicht wäre es ein Anfang…







mhmmm ich würd hier aber auch gerne mal wieder was neues von dir lesen